Über Wiki

Kinderarmut in Deutschland ist meist nicht sichtbar, jedoch eine der dringendsten Angelegenheiten in unserer Gesellschaft. Die aktuellen Zahlen sind alarmierend: Über 2,7 Millionen Kinder sind von Kinderarmut betroffen! Sozial benachteiligte Kinder werden zunehmend zu Verlierern der Gesellschaft. Dies beginnt schon mit dem Hungern in der Schule und kann mit einem frühzeitigen Schulabbruch aufhören.

Wikihelp e.V. bekämpft seit 3 Jahren nicht nur die Kinderarmut in Deutschland, sondern setzt sich auch für die Kinderrechte und die Beteiligung der Kinder ein. Unsere Vision ist eine Gesellschaft, in der die Kinder ihre Interessen selbst vertreten. Weil sie das können. In diesem Sinne initiieren und unterstützen wir mit den Spenden vor allem Maßnahmen und Projekte, die Mitbestimmungs- und Mitgestaltungsmöglichkeiten von Kindern fördern. Helfen Sie uns dabei, unsere Mission für ein kinderfreundlicheres Deutschland zu erfüllen.

Jede Sach- oder Geldspende zählt – egal, ob groß oder klein. Zusammen können wir vieles bewirken!
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Kinderarmut ist seit geraumer Zeit ein zentrales Thema in der sozialpolitischen Debatte und ihre Bekämpfung wird in Deutschland, auf europäischer Ebene und international als ein wesentliches Ziel der Sozialpolitik artikuliert . Die Bekämpfung von Kinderarmut unter dem im dritten Armuts und Reichtumsbericht formulierten normativen Standard einer sozial gerechten Politik zur Ermöglichung sozialer Teilhabe und Verwirklichungschancen ist aus mehreren Gründen von großer Dringlichkeit. Erstens ist seit Mitte der 1980er Jahren eine deutliche Zunahme von Kinderarmut zu verzeichnen, weshalb auch von einer „Infantilisierung“ (Hauser 1989) der Armut gesprochen wird.

Zweitens können sich Kinder nicht selbst aus der Armut befreien und sind auf sozialstaatliche Unterstützung angewiesen. Drittens hat Kinderarmut Auswirkungen auf die Gesellschaft, da sie nicht nur das Wohl der Kinder in der Gegenwart, sondern auch ihre Zukunftschancen einschränkt, was zu dem Problem der „Vererbung von Armut“ führt. Eine nachhaltige Reduzierung von Kinderarmut ist trotz der politischen Absicht bislang nicht gelungen. Diese Tatsache wirft die Frage nach der Wirksamkeit der bestehenden Maßnahmen zur Kinderarmutsbekämpfung auf. Nicht zuletzt durch das im Februar erfolgte Urteil des Bundesverfassungsgerichts (1 BvL 1/09, 1 BvL -3/09, 1 BvL 4/09), das die Berechnung der Kinderregelsätze nach dem Sozialhilfegesetz als verfassungswidrig erklärt, rückt die Diskussion über die Existenzsicherung von Kindern in den Vordergrund. In Rahmen von Wikihelp e.V. nehmen Wir eine Bestandsaufnahme der deutschen Familienpolitik hinsichtlich ihrer Maßnahmen zur Kinderarmutsbekämpfung vor. Wikihelp e.V. geht hierbei den Fragen nach, wie armutsfest die deutsche Familienpolitik ist und welche Schwachstellen hinsichtlich der nachhaltigen Reduzierung von Kinderarmut bestehen. Der Schwerpunkt liegt auf monetären Leistungen, da sie mit der Aufgabe der Sicherung des Existenzminimums konstitutiv für die Armutsbekämpfung und die Wirksamkeit von ergänzenden sozialinvestiven Maßnahmen sind.

Für eine nachhaltige Kinderarmutsbekämpfung sollten die familienbezogenen Transferleistungen stärker gefördert werden. Hierfür sind die Abschaffung der steuerlichen Kinderfreibeträge und die schrittweise Ersetzung des Ehegattensplittings durch eine Individualbesteuerung ratsam. Kindbezogene Leistungen sollten am kindspezifischen Bedarf orientiert sein. Konzipierungsvorschläge armutsreduzierender Transferleistungen beabsichtigen zum einen eine Weiterentwicklung der bestehenden Leistungen und zum anderen die Überführung aller kindbezogenen Leistungen in eine einheitliche Kindergrundsicherung. Aus Sicht stellt eine besteuerte Kindergrundsicherung eine transparente, weniger bürokratische und sozial gerechte Lösung zur bedarfsgerechten Absicherung aller Kinder dar. Mit einer Kindergrundsicherung könnten Kinderarmut erheblich gesenkt, verdeckte Armut aufgrund der Nichtinanspruchnahme von Leistungen reduziert und Inkonsistenzen des derzeitigen Leistungssystems wie die duale Struktur aus Kindergeld und Kinderfreibeträgen und Sprungstellen im Familiennettoeinkommensverlauf beim Kinderzuschlag vermieden werden.

Eine Kindergrundsicherung ist jedoch – nicht zuletzt aus finanziellen Gründen – umstritten und wegen der parteipolitischen Präferenzen der derzeitigen christlich-liberalen Bundesregierung und der Tatsache, dass eine Kindergrundsicherung und andere Reformvorschläge des FLA spätestens seit dem Gesetz zur Ermittlung von Regelbedarfen und der Verabschiedung des Bildungspakets im Februar dieses Jahres im politischen Diskurs keine öffentliche Rolle mehr spielen, vorläufig nicht realisierbar. Hier kommen langfristig Finanzierungs- und Umsetzungsstrategien zum Tragen. So wäre es möglich, kurzfristig Reformen innerhalb des bestehenden Familienlastenausgleichs – beispielsweise eine Reform des Kinderzuschlags durchzuführen, bevor im zweiten Schritt die Einführung einer Kindergrundsicherung erfolgt.

Monetäre Leistungen sollten durch Maßnahmen zur Förderung von Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe ergänzt werden. An dieser Stelle wurden in der Familienpolitik der letzten Jahre durch den Ausbau der frühkindlichen Betreuung und durch das Bildungspaket einige Fortschritte gemacht. Durch eine Kombination gezielter monetärer und nicht-monetärer Unterstützung können die kindlichen Entfaltungschancen in Gegenwart und Zukunft verbessert und die Reproduktion sozialer Ungleichheiten durchbrochen werden.

Stand:2014
Wikihelp e.V. gemeinnützige Kinderhilfe Essen